Systemische Beratung Methoden

Gewinnen Sie einen kleinen Einblick in die systemische Beratung. Methoden, Erklärungen und Beispiele finden Sie hier:

Grundlage der systemischen Beratung ist die Annahme, dass Beziehungen in Systemen (Paare, Familien, Teams...) nicht von einfachen linear-kausalen Handlungsketten („wenn-dann“) bestimmt werden. Prozesse und Beziehungen werden in der systemischen Sichtweise vielmehr als komplex und zirkulär aufgefasst.

Systemische Methode zum Aufbrechen alter Prinzipien

Raus aus der Täter-Opfer-Rolle

Dabei werden das Ursache-Wirkungs-Modell und das Täter-Opfer-Prinzip aufgebrochen. Viele Menschen erklären ihre Aktionen als Reaktionen auf das Verhalten anderer. Damit schieben sie jegliche Verantwortung von sich. Das führt aber auch zu einem Ohnmachtsgefühl. Scheinbar unfähig, in Situationen eingreifen zu können, da der andere als Ursache ihres Verhaltens angesehen wird und Macht über die Situation zu haben scheint, sehen sie sich in der Opferrolle. Die fehlenden Handlungsoptionen führen zu einer Stagnation und gleichzeitig zu einer Stabilisierung des vorhandenen Interaktionsmusters.

Komplexe, zirkuläre Betrachtung von Verhaltensmustern

Betrachtet man als Außenstehender z.B. ein Team zirkulär, so wird deutlich, dass jeder die Bedingungen für das Verhalten aller anderen mitbestimmt. In manchen Fällen bestimmt zwar einer die Bedingungen mehr als umgekehrt, trotzdem kann man diese Tatsache aber nicht auf eine berechenbare Ursache-Wirkungs-Beziehung reduzieren. Verhalten ist zugleich verursacht und verursachend. Dabei findet eine Entwicklung statt, die immer rückbezüglich/rekursiv ist. Diesen dynamischen Vorgang kann man sich bildlich als Spirale vorstellen, die sich stetig fortsetzt.

Labyrinth

Deckt man nun die Zirkularität auf und macht sie allen Beteiligten sichtbar, so schafft man neue Möglichkeiten der Beurteilung und daraus folgend neue Handlungsmöglichkeiten. Das bedeutet, es wird „neue Information im System“ (Schlippe/Schweitzer 1998, 141) gestreut, durch die bei allen Beteiligten neue Sichtweisen und Denkprozesse angeregt werden. Alte, oft eingefahrene Denkmuster können aufgebrochen und neue Lösungswege für Probleme beschritten werden.

Quelle: http://methodenpool.uni-koeln.de (leicht geändert)

Systemischer Berater und seine Rolle

Systemische Beratung setzt eine wertschätzende, für alle offene Grundhaltung voraus. Im Bereich des Konfliktmanagements ist eine Facette besonders entscheidend: die der Allparteilichkeit/ Neutralität. Im Sinne der Allparteilichkeit begibt sich die Beraterin einmal in die Sichtweise der einen, mal in die Sichtweise der anderen (Partei-)Seite. Die systemische Beraterin bewertet weder Probleme, noch Ideen und mögliche Lösungen. Sie gibt Ratsuchenden den Raum, sowohl eine Veränderung als auch das Bewahren des Bisherigen in Erwägung zu ziehen und die Konsequenzen jeder Handlungsoption gedanklich durchzuspielen.

Domino Steine

Einige Beispiele für Systemische Methoden

Spezifische Fragen, z.B.:

  • Zirkuläre Fragen sollen dem Ratsuchenden Anstöße geben, die Außenperspektive einzunehmen, Beziehungen zu klären, Zusammenhänge zu erkennen und letztlich neue Handlungsoptionen zu entwickeln. Beispiel: Was würde Kollege X /Kunde Y über Ihre Beziehung zu Ihrem Chef sagen? Welche Auswirkung hätte es auf die Arbeitsleistung von Station Z, wenn Sie und die PDL sich weiterhin nicht alle Informationen geben?
  • Ressourcen- und lösungsorientierte Fragen: In der systemischen Beratung ist folgende Annahme ausschlaggebend: der Ratsuchende trägt die Ressourcen in sich, Ziele zu erreichen, Zukunftsperspektiven zu entwickeln und passende Lösungen zu finden. „Lösungen“ bedeutet in diesem Zusammenhang auch „loslassen“ von lange eingeübten Denk- und Handlungsmustern. „Problem talking creates problems, solution talking creates solutions“ oder: „Reden über Probleme lässt die Probleme wachsen. Reden über Lösungen lässt Lösungen wachsen.“ (Steve de Shazer).
  • Fragen nach Unterschieden und Skalierungsfragen: Ziel ist es, die Aufmerksamkeit der Ratsuchenden auf feine Nuancen, auf unterschiedliche Verhaltensweisen und die positive Veränderungen zu lenken, die zur Lösung beitragen. Zum Beispiel: Wann ging es Ihnen etwas besser als jetzt? Was haben Sie damals gemacht, was Sie auch jetzt zur Verbesserung tun können? Auf der Skala von 1-10, wenn 1 „ganz schlecht“  und 10 „sehr gut“ bedeutet: Wo stehen Sie jetzt? Was können Sie tun, um von der 5 zur 6 zu kommen? Woran merken Sie, dass Sie auf der 6 angekommen sind?
  • Fragen nach Mustern: Was tragen Sie selbst zur Erhaltung des Problems bei? Welche Handlungen Ihres Kollegen lösen bei Ihnen das Verhalten „XY“ aus? Was würde Ihr Kollege sagen, mit welcher Verhaltensweise Sie der Lösung des Konflikts näher kommen? Ziel ist es, dysfunktionale Muster zu erkennen, sich davon zu trennen und funktionale Muster zu bestätigen und zu verstärken.

Meta-Mirrow

Beim Meta-Mirrow leitet die Beraterin die Ratsuchenden an, verschiedene Perspektiven zu einer konflikthaften Situation oder zu einem Gegenüber einzunehmen. Dabei werden verschieden Ebenen bzw. Positionen durchlaufen. Die Selbstreflexion der Ratsuchenden wird gestärkt und sie können in problematischen Beziehungen neue Sicht- und Handlungsweisen entwickeln.

Narrative Methode / Interviews

Im narrativen Interview / der narrative Methode erzählt die Ratsuchende „ihre“ Geschichte. Die systemische Beraterin achtet dabei darauf, wie dies geschieht. Sie stellt Fragen, die Ratsuchende ermutigen, sich von alten, belastenden Geschichten zu befreien und andere, lösungsbezogene Geschichten zu konstruieren. Zum Beispiel: Wollen Sie, dass diese Erlebnisse, Erfahrungen Ihr Leben regieren? Wann Sie sich zum letzten Mal erfolgreich geweigert zu glauben, dass Sie immer ein Verlierer sind? Wie haben Sie es geschafft, diese Geschichte zurückzuweisen?

Externalisierung

Im Rahmen einer narrativen Methode kann ein persönliches Problem oder eine Emotion als „eigenständiges Etwas“, als Gegenstand charakterisiert und damit von der Person abgetrennt („dissoziiert“) werden. Die Ansprache und Betrachtung erfolgt nur noch aus der Distanz in der 3. Person (er, sie, es). Die Betroffenen können sich besser davon lösen und neue Erfahrungsaspekte entstehen lassen.

Aufstellungen

Bei der Aufstellungsarbeit handelt es sich um eine Methode für einen Ratsuchenden und weitere Personen, die andere Systemmitglieder (Familie, Kolleginnen) stellvertretend darstellen. Durch diese Methode können Beziehungsmuster eines Systems im Raum bildlich dargestellt werden. Ausgangspunkt ist die Sichtweise eines Systemmitglieds (=Ratsuchender). Nach dessen Vorstellung werden die Repräsentanten (Stellvertreter für andere, nicht anwesende Systemmitglieder) ausgewählt, zueinander in Beziehung gestellt und von der Beraterin zu ihren Wahrnehmungen befragt. Dadurch besteht die Möglichkeit, Prozesse sichtbar und erfahrbar zu machen.

Selbstreflexiver Dialog

Eine andere Möglichkeit, die Ratsuchende einzuladen, von „außen“ auf sich selbst schauen, ist der selbstreflexive Dialog der Beraterin. Die systemische Beraterin äußert auf behutsame und wertschätzende Weise eigene Gedanken, Sichtweisen oder Lösungsansätze zum Anliegen der Ratsuchenden. So kann sich diese ohne Entscheidungsdruck an verschiedene Möglichkeiten herantasten und eigene „Wirklichkeits-Konstruktionen“ mit den „Hypothesen“ der Beraterin vergleichen.

Quellen: https://systemische-gesellschaft.de/systemischer-ansatz/methoden/ & http://methodenpool.uni-koeln.de


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